Regrow: Gemüse nachwachsen lassen

April 08, 2021 6 Minuten Lesezeit

Regrow: Gemüse nachwachsen lassen

Regrow ist ein Trend, der eigentlich gar nicht so neu ist. Denn beim sogenannten „Nachwachsen“ oder „Nachzüchten“ geht es darum, aus Gemüseresten und altem Obst neue Lebensmittel nachzuzüchten. Dafür ist kein Garten nötig, denn selbst auf der Fensterbank oder auf dem Balkon kannst du Obst- und Gemüsesorten sowie Kräuter anbauen. Das ist sowohl für die Umwelt als auch für den Geldbeutel eine gute Tat, und außerdem macht das neue Hobby Spaß.

Hier erfährst du mehr über den Regrow-Trend und seine Vorteile. Außerdem verraten wir dir, was du für dein eigenes Regrow-Projekt brauchst und wie du verschiedene Gemüse- und Obstsorten sowie Gewürze und Kräuter anbaust. Im Fazit erhältst du unsere Einschätzung dafür, ob du dank Regrow ganz auf den Gemüsekauf verzichten kannst.

Was bedeutet Regrow?

Regrow ist der englische Begriff für „nachwachsen“ oder „nachzüchten“. Es geht hier darum, aus Gemüse- und anderen Küchenresten neue Pflanzen heranzuziehen. So vermeidest du Müll und sparst zugleich Ressourcen, da du weniger Lebensmittel kaufst. Entsprechend ist Regrow ein sehr nachhaltiges Konzept, das der Idee der Kreislaufwirtschaft entspricht.

Neben seiner Nachhaltigkeit bringt das Regrow-Konzept auch noch weitere Vorteile mit sich. Unter anderem vermeidest du Müll, da du weniger Essensreste entsorgst. Außerdem müssen weniger Lebensmittel neu produziert werden, weil du als Konsument weniger Nachfrage einbringst, wenn du deine eigenen Lebensmittel anbaust. Und auch finanziell ist Regrow interessant, denn du gibst weniger Geld aus. Aus einer einmal gekauften Pflanze lassen sich teils beliebig oft neue Ableger züchten. Mehr zum Slogan „Teller statt Tonne“ liest du hier.

Wir halten fest: Obwohl Regrow nicht neu ist (denn schon seit Jahrtausenden versorgen sich die Menschen selbst mit Obst, Gemüse und Kräutern), handelt es sich um einen wichtigen Trend. Dank Regrow kannst du deinen Lebensstil nachhaltiger gestalten.

Was brauche ich für Regrow?

Um deine eigene Regrow-Zucht zu beginnen, brauchst du nicht viele Zutaten. Wichtig ist vor allem, dass du dich mit den Eigenarten der verschiedenen Obst-, Gemüse- und Kräutersorten beschäftigst, um sie jeweils artgerecht zu versorgen.

Die folgenden Utensilien erlauben es dir, selbst Pflanzen mit unterschiedlichen Ansprüchen erfolgreich nachzuzüchten:

  • Obst- oder Gemüsereste
  • Stellplatz mit viel Tageslicht
  • Pflanzgefäß wie Glas, Tasse, Schale oder Blumentopf
  • Wasser und Erde
  • viel Geduld

Grundsätzlich kannst du auch innerhalb deiner Wohnung Regrow betreiben. Wichtig ist jedoch, dass die Pflanzen ausreichend Tageslicht und Nährstoffe erhalten. Ideal sind Fensterbänke mit einer Ausrichtung nach Osten oder nach Westen. Eine nördliche Ausrichtung bietet meist nicht ausreichend Licht, während eine südliche Ausrichtung die Pflanzen verbrennen kann.

Falls du einen eigenen Garten hast, ist es am besten, die Pflänzchen nach der Anzucht im Wasser direkt in die Erde zu pflanzen. Das geht auch in großen Balkonkästen. Ein Schrebergarten oder gar ein Gewächshaus bieten jedoch noch bessere Aussichten auf Erfolg.

Die besten Tipps für Regrow

Damit dein Regrow-Projekt von Erfolg gekrönt ist, solltest du die Pflanzen so gut wie möglich verstehen. Das beginnt schon mit den Nährstoffen. Zu Beginn züchtest du die Pflanzenreste in Wasser an. Jedoch kann Wasser allein nicht alle nötigen Nährstoffe bieten, weshalb du die Setzlinge schon nach kurzer Zeit in Erde umtopfen solltest.

Folge diesen Schritten, um die wichtige erste Phase erfolgreich zu bewältigen:

  1. Wechsle täglich das Wasser der Pflanzen.
  2. Versorge die Pflanzen mit ausreichend Sonnenlicht.
  3. Setze die Pflanzen nach spätestens zwei Wochen in einen Topf mit Erde.
  4. Gieße die Erde regelmäßig.
  5. Topfe die Pflanze um, wenn sie größer wird.

Übrigens: Wenn du schon Erfahrung mit Ablegern für Zimmerpflanzen gesammelt hast, besitzt du wertvolles Gärtnerwissen, das sich auch auf die Regrow-Technik anwenden lässt.

Im Folgenden erhältst du Tipps, die nach den Kategorien Gemüse, Obst und Gewürze/Kräuter sortiert sind. So siehst du, wie du die jeweiligen Pflanzen am besten versorgst. Zudem verraten wir dir, welche Obst- und Gemüsepflanzen sich weniger für Regrow eignen, damit du Enttäuschungen vermeidest.

Regrow-Tipps für Gemüse

Die folgenden Gemüsesorten eignen sich hervorragend für dein Regrow-Projekt:

  • Zwiebeln
  • Lauch- und Frühlingszwiebeln
  • Porree
  • Salatköpfe
  • Kartoffeln
  • Sellerie
  • Möhren
  • Pilze
  • Tomaten

Besonders leicht sind Zwiebeln nachzuzüchten. Hier benötigst du kein Wasser, sondern nur Erde. Nutze ein Zwiebelende, um es mit der Wurzel in die Erde zu stecken, und bedecke es. Platziere den Topf in einer sonnigen Position und versorge den Setzling regelmäßig mit Wasser. Schon bald kannst du eine neue Zwiebel, die aus dem abgeschnittenen Zwiebelende wächst, ernten.

Bei Salat sind Strunk und Herz wichtig, um dank Regrow-Prinzip einen neuen Kopf wachsen zu lassen. Das folgende Vorgehen eignet sich auch für Frühlingszwiebeln und Lauch: Lege den Strunk in ein Wasserglas und platziere dieses an einem sonnigen Ort. Erneuere das Wasser regelmäßig und befeuchte die Setzlinge zusätzlich mit Wasser aus einem Zerstäuber. Schon bald wächst neuer Salat nach. Ist kein weiteres Wachstum zu erkennen, kannst du den Setzling in Erde umpflanzen.

Auch für andere Gemüsesorten gilt, dass du bei den Küchenresten identifizieren solltest, welchen Teil du dank Regrow nachwachsen lassen kannst. Bei Tomaten sind das die Kerne, bei Kartoffeln die beiden Triebe und bei Karotten das Karottengrün, das sich gut für einen leckeren Salat eignet. Bei Pilzen sind es die Stiele, die du einfach in Erde pflanzt und gießt, bis schon nach einigen Tagen neue Pilze sprießen.

Vorsicht bei Zucchinis: Hier besteht das Risiko, dass sich giftige Bitterstoffe durch Einkreuzungen von Zierkürbissen oder die Bildung pflanzeneigener Schutzstoffe entwickeln. Sollten die Früchte bitter schmecken, entsorge sie also vorsichtshalber.

Regrow-Tipps für Obst

Die folgenden Obstsorten eignen sich gut für dein Regrow-Projekt:

  • Ananas
  • Avocado
  • Mango
  • Zitrusfrüchte wie Zitronen

Wie du siehst, ist die Liste hier etwas kürzer als beim Gemüse. Außerdem brauchst du bei Obst mehr Geduld, da viele Obstsorten eigentlich an einem Strauch oder Baum wachsen. Langfristig erhältst du jedoch auch hier köstliche Ergebnisse.

Für das Nachzüchten einer Ananas benötigst du das obere Ende mit den Blättern. Setze dieses in ein Wasserglas, suche einen sonnigen Ort und wechsle täglich das Wasser. Wenn sich Wurzeln bilden, kannst du die Ananas in einen Blumentopf mit Erde umtopfen. Nun entsteht eine Pflanze, die in ein paar Jahren die ersten Früchte abgibt. Dies hängt sehr vom Klima ab.

Auch bei Mango und Avocado ist der Erfolg nicht garantiert. In beiden Fällen kannst du jedoch mit dem Kern der Frucht zumindest eine hübsche Pflanze züchten. Mit etwas Glück gibt diese in den nächsten Jahren auch Früchte ab. Eine ausführliche Anleitung zum Züchten einer Avocado-Pflanze gibt es hier.

Mit Zitronen und anderen Zitrusfrüchten sind die Aussichten auf Erfolg besser. Obwohl diese Früchte ebenfalls aus wärmeren Gefilden stammen, lassen sie sich dazu überreden, auch in Deutschland zu wachsen. Du benötigst die Kerne einer reifen Frucht, die direkt in Erde gepflanzt werden. Ein warmer, aber lichtgeschützter Ort ist wichtig. Halte die Erde stets feucht und pflege die Keimlinge gut. Bis du die ersten Zitrusfrüchte ernten kannst, dauert es eine Weile.

Übrigens: Tipps für Zimmerpflanzen haben wir dir hier zusammengestellt.

Regrow-Tipps für Gewürze und Kräuter

Gewürze und Kräuter lassen sich ebenfalls nachzüchten. Sie haben den Vorteil, dass du oft schon innerhalb von Wochen oder wenigen Monaten ernten kannst. Diese Kräutersorten eignen sich für deinen Regrow-Garten:

  • Basilikum
  • Oregano
  • Majoran
  • Bohnenkraut
  • Thymian
  • Salbei
  • Rosmarin
  • Minze
  • Zitronengras
  • Ingwer
  • Knoblauch

Bei den meisten Kräutern ist das Regrow-Vorgehen identisch. Du benötigst die Stängel unterhalb der Blätter – genau den Teil, den du normalerweise wegwerfen würdest. Die Stängel sollten fünf bis sieben Zentimeter lang sein. Stelle sie in ein Wasserglas und wechsle das Wasser regelmäßig. Sobald sich gut sichtbare Wurzeln entwickeln, kannst du die Stängel in einen Topf mit Erde umpflanzen. Schon bald ist es an der Zeit für die erste Kräuterernte.

Welche Gemüsesorten eignen sich nicht für Regrow?

Obwohl sich viele Obst-, Gemüse- und Kräutersorten für das Regrowing eignen, gibt es auch einige, bei denen du keinen Erfolg haben wirst. Dies ist das sogenannte Fruchtgemüse, das aus Gemüsepflanzen mit oberirdisch wachsenden Früchten stammt. Diese Früchte entstehen aus befruchteten Blüten und lassen sich daher nicht ohne Weiteres in den eigenen vier Wänden züchten.

Die folgenden Obst- und Gemüsesorten sind für das Regrowing nicht geeignet:

  • Auberginen
  • Gurken
  • Hülsenfrüchte
  • Kürbisse
  • Melonen
  • Okraschoten
  • Zucchini
  • Paprika

Mithilfe der Samen der genannten Obst- und Gemüsesorten kannst du jedoch ganze Pflanzen heranziehen. Diese dienen als Dekoration und als Sauerstoff-Spender. Mit einer Umpflanzung in den Garten erhöhst du zudem die Chancen, doch eine Befruchtung zu ermöglichen.

Fazit: Nie wieder Gemüse kaufen?

So nachhaltig und spannend der Regrow-Trend auch ist, „nie wieder Gemüse kaufen“ ist ein Irrglaube. Denn für das erfolgreiche Regrowing aus Küchenresten brauchst du nicht nur Zeit und Geduld, sondern auch viel Glück. Nicht alle Gemüsesorten eignen sich für das Projekt und je nach klimatischen Bedingungen entsteht nicht aus jeder Pflanze die gewünschte Frucht.

Wer sich ausschließlich von nachwachsenden Pflanzen ernähren möchte, benötigt sehr viel Platz. Auch ist ein eigener Garten dafür wichtig, um ausreichende Vielfalt und eine natürliche Befruchtung zu ermöglichen.

Dennoch ist das Regrowing eine schöne Möglichkeit, um deine Gemüsereste vor dem Müll zu bewahren. Wenn du ein wenig Erde und ein sonniges Plätzchen zur Verfügung hast, empfehlen wir dir, dein Glück einfach mal auszuprobieren. Gerade bei Kräutern und bei Zwiebeln und Salatköpfen sind die Chancen auf einen schnellen Erfolg recht groß. Auch weißt du beim selbstgezogenen Gemüse, dass keine Schadstoffe enthalten sind.

Zu guter Letzt handelt es sich um ein schönes Hobby, das uns der Natur näherbringt. Auch für Kinder ist das Regrowing zuhause eine wunderbare Aktivität. Wir wünschen viel Spaß!



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