Worst Case Szenario: Eine Welt ohne Bienen

Mai 20, 2020 5 Minuten Lesezeit

Worst Case Szenario: Eine Welt ohne Bienen

20. Mai 2050

Ich erinnere mich gut daran, als man dieses Datum noch als „Weltbienentag“ feierte. Nun ja, feierte ist zu viel gesagt. Die meisten Bauern benutzten auch 2020 noch Pestizide, die grauenhafte Auswirkungen auf die heimische Insektenwelt hatten. Glyphosat war leider im wahrsten Sinn des Wortes „in aller Munde“. Dabei dachten schon viele Leute nicht erst seit einigen Tagen so wie ich: Wir müssen etwas ändern, sonst sieht es schlecht aus mit unserer Welt!

Heute ist dieses Horrorszenario leider bittere Wirklichkeit: Über die Hälfte unserer Supermarktregale sind leer oder fast leer, ein neuer Beruf wurde für unser aller Überleben notwendig – nämlich der des „Bestäubers“. Diesen Beruf gab es schon 2020 in einer Region in China, als der Rest der Welt sich noch in Sicherheit wiegte und daran glaubte, dass wir die Kurve noch kriegen. Leider mussten wir feststellen, dass ein menschlicher Bestäuber niemals auch nur annähernd so gut ist, wie die fleißigen Bienen. Auch als Nahrung für andere Tiere, wie Vögel oder Eidechsen, fehlen die Wild- und Honigbienen. Das Ökosystem wurde dauerhaft aus den Angeln gerissen, denn das Bienensterben hat eine Kettenreaktion ausgelöst.

Biene auf einer Blume

Pestizide: der Feind der Wild- und Honigbiene

Zum Glück leben wir noch im Jahr 2020 und es gibt noch Bienen. Zum Glück ist der Abschnitt, den du eben gelesen hast, kein Brief aus der Zukunft, den ich von meinem älteren Ich als düsteren Vorgeschmack geschickt bekommen habe, als Warnung vor dem Ende unserer Spezies. Um es aber ganz klar vorweg zu sagen: Jeder Mensch, der billig produzierte Nahrungsmittel und Kleidung kauft, entscheidet sich zugleich für Pestizide. Die massenhafte Produktion von Baumwolle und Feldfrüchten zu möglichst niedrigen Preisen setzt den ebenso massenhaften Einsatz von Glyphosat und Co. voraus, denn ohne diese chemischen Helfer würden die endlosen Monokulturen von Insekten aufgefressen werden. Besonders die seit einigen Jahren gebräuchlichen Neonikotinoide haben durchschlagende Wirkung bei der Bekämpfung von Schadinsekten. Leider ist der tödliche Nebeneffekt, dass auch alle Nutzinsekten durch den Pestizideinsatz sterben und ihre Zahl sich seit einigen Jahren stark dezimiert hat.

Pestizide versteuen

Schau dir nur einmal an, wie die Windschutzscheiben der Autos aussehen, selbst wenn sie zuvor auf der Autobahn durch die Welt gebrettert sind: Sie sind nahezu sauber – und das im Mai! Noch vor wenigen Jahren sahen sie völlig verschmiert aus von toten Insekten. Zugegeben: Ich fand das als Kind immer schlimm, wie viele Insekten die Windschutzscheibe des Familienautos schon getötet hat. Aber es zeigt deutlich, wie sehr sich die Biomasse der Wildinsekten dezimiert hat. Ein wenig entspannter ist die Situation bei der vom Menschen gehaltenen Honigbiene. Dennoch leiden auch diese Nutztiere unter den landwirtschaftlichen Pestiziden, denn bei jeder Bestäubung kommen sie mit den Unkraut- und Insektenvernichtern in Kontakt. Heute am Weltbienentag (ja, es gibt ihn noch) mache ich mir nur noch mehr Gedanken darüber, was wohl mal mit unserer Welt passiert, wenn wir einfach so weitermachen. Kann ich meinen Enkeln irgendwann 2050 diesen Text zeigen und wir lachen darüber, weil wir durch eine vernünftige, ökologische Landwirtschaft die Bienen gerettet haben? Oder werde ich meinen Enkeln Bienen nur noch auf alten Fotos zeigen können?

Als ich kürzlich vom Einkauf auf dem Demeter-Hof nach Hause fuhr, bewunderte ich mal wieder die Schönheit unserer Region. Sogar die städtischen Kreisverkehrs-Inseln sind regionaltypisch mit Weinstöcken bepflanzt. Ich glaube nicht, dass der Wein tatsächlich für einen Winzer überlebenswichtig ist und zu kommerziellen Zwecken dort wächst. Trotzdem sah ich dort einen Mann mit einer „Buckelspritze“ die Pflanzen besprühen. Zur Verdeutlichung: Dort stehen genau zehn Weinstöcke, deren Ertrag überschaubar und von Feinstaub des Straßenverkehrs belastet ist.

Aber so wie dieser Winzer machen es viele Landwirte: In den letzten Jahren haben sie meiner Meinung nach zu kurz gedacht und nur die direkt in diesem Jahr bedrohte Ernte retten wollen. Letztlich aber machen sie durch den gnadenlosen Preisdruck, dem sie sich unterwerfen (müssen) ihre eigene – und damit auch unsere – Lebensgrundlage zunichte. Viele Kohlsorten, Möhren, Raps, Sonnenblume, die meisten Obstsorten oder auch Baumwolle für unsere Kleidung: Alle diese Pflanzen brauchen Insektenbestäubung. Was tun wir, wenn Bienen aussterben? Erst mal Kaffee trinken? Wohl eher nicht, denn auch Kaffee muss bestäubt werden.

 

Ein Leben ohne bestäubende Insekten: Realität in China

Es gibt einen Ort auf der Welt, an dem schon heute keine Wildinsekten mehr leben, weil die Umwelt zu stark von Pestiziden belastet ist. Dieser Ort ist in der Provinz Sichuan in China. Ich konnte es fast nicht glauben, als ich einen Bericht darüber im Fernsehen sah: Mit langen Federpinseln balancieren Menschen hier in den Bäumen. Darunter ist braune, tote Erde. Leider ist der Erfolg dieser menschlichen Bienen im Vergleich eher bescheiden und der Aufwand immens:

Zunächst müssen Blüten von den Obstbäumen gesammelt und der Blütenstaub daraus gelöst werden. Diese Arbeit nimmt bereits fast den ganzen Vormittag der Arbeiter ein. Der Pollen muss dann 24 Stunden getrocknet werden. Am Nachmittag steigen die Arbeiter dann wieder mit den getrockneten Pollen des Vortags auf die Obstbäume und bestäuben mittels eines langen Stabes mit Federwedel. Auf diese Weise schafft ein Arbeiter bis zu 30 Bäume am Tag. Du siehst also, was auf uns alle zukäme, wenn Bienen aussterben.

 

Es hängt oft am kleinsten Zahnrad

Dabei haben wir noch gar nicht beleuchtet, dass auch der Rest der Tier-/Pflanzengemeinschaft sich ändern würde, wenn es keine Wildbienen und Honigbienen mehr gäbe. Bricht die Nahrungsgrundlage von vielen Vögeln, Reptilien, Amphibien und kleinen Säugern weg, dann fällt das gesamte Nahrungsnetz wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Über Jahrmillionen gewachsene Strukturen können dann nicht mehr funktionieren, wenn ein augenscheinlich kleiner Baustein fehlt, wenn das kleinste Zahnrad aus dem Uhrwerk entfernt wurde. Genau daran versuche ich immer zu denken, wenn ich draußen mein Marmeladenbrot esse und eine Wespe mich dabei ärgert. Ich lasse sie meistens landen und beobachte fasziniert, wie sie mit ihren scharfen Mundwerkzeugen gekonnt ein Stück für sich herausschneidet. Dann denke ich daran, dass ich nicht die Einzige bin, die diesen Lebensraum nutzen möchte – und wie traurig unser Leben wäre, wenn wir ganz allein auf der Welt zurückblieben.

Bienenwabe 

Bienen unterstützen und die Welt retten

Die Wichtigkeit von Bienen und heimischem Honig ist mir als naturverbundenem Menschen absolut einleuchtend. Wildbienen sind noch stärker gefährdet als Honigbienen, daher lohnt es sich, sie zu schützen und z.B. den eigenen Balkon und Garten mit bienenfreundlichen Pflanzen zu bestücken oder Wildbienenhotels zu bauen. Weil ich nichts falsch machen wollte, habe ich über den Imkereibedarf fertige Wildbienenhotels gekauft. Im Gegensatz zu den Produkten aus der Angebotssparte von Supermärkten taugen diese Wildbienenhilfen auch wirklich etwas und die Bienen nutzen sie gerne. Erstaunlicherweise lebt und piepst in unserem Garten eine große Anzahl Singvögel, die andernorts bereits selten geworden sind. Ob es an meinen Bienenhotels liegt, weiß ich nicht.

 Bienenfreundliche Pflanzen für Garten und Balkon

Der bunten Konsumwelt eine Absage erteilen

Auch ich bin in der Vergangenheit gerne Klamotten shoppen gegangen. Als ich aber die Mengen in meinem Kleiderschrank gar nicht mehr managen konnte, habe ich mir selbst eine Herausforderung gestellt: Ein Jahr lang kaufte ich keine Kleidung und keine Schuhe, es sei denn, ich habe wirklich nichts mehr. Seitdem bin ich gewissermaßen geläutert und brauche diesen Belohnungs-Konsum nicht mehr. Mit unseren Konsumentscheidungen haben wir bereits erreicht, dass sich der Anteil ökologisch erzeugter, fairer Nahrungsmittel vergrößert hat. Auch bei Artikeln des täglichen Bedarfs, wie Hygieneartikel oder Verpackungen, ist unser Sinn geschärft. Ein nach wie vor riesiges Problem für Bienen und auch das Wasser in den betroffenen Regionen ist aber der immense Baumwollanbau. Gerade wir Deutschen kaufen schnelle Mode, tragen unsere Kleidung relativ kurz und entsorgen sie dann schnell wieder.

 

Wir von pandoo möchten ein Zeichen setzen gegen Umweltverschmutzung, Abholzung oder Rodung von Wäldern und auch gegen Verschwendung von wertvollen Ressourcen. Maßvoll zu konsumieren gehört da einfach dazu. Bezüglich Bienen und Wildinsekten kannst du global etwas mit deinen Konsumentscheidungen erreichen, indem du einfach weniger Kleidung kaufst und diese dann trägst, bis sie wirklich nicht mehr zu gebrauchen ist. Die Bienen dieser Welt werden es dir danken.


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