Richtig heizen

Januar 23, 2021 5 Minuten Lesezeit

Richtig heizen

Nachhaltiger heizen und lüften

Das richtige Heizen und Lüften ist ein Thema, das uns lebenslang beschäftigt. Wenn du zum ersten Mal allein wohnst, gibt es besonders viele Fragen. Denn nun musst du selbst entscheiden, welche Temperaturen du bevorzugst, ob du auch nachts heizt und wie oft und wie lange du eigentlich lüftest. Letztendlich hängt vieles von deinen Vorlieben ab. Zugleich ist es sinnvoll, informierte Entscheidungen zu treffen, die sowohl für deinen Geldbeutel angemessen als auch für die Umwelt korrekt sind.

In diesem Beitrag erfährst du mehr zum Energieverbrauch durch Heizen, zu den empfohlenen Zimmertemperaturen, zum Lüften (auch während Corona-Zeiten) sowie zu Fragen, ob Stoßlüften oder Dauerkippen die richtige Herangehensweise ist. Zudem geben wir dir Tipps für das nachhaltige Heizen.

Die deutsche Fensterkultur

„Mach das Fenster zu, es zieht!“ Dieser Satz ist in Deutschland typisch und wird im Ausland oft belächelt. Aber er ist ein Ausdruck unserer besonderen Fensterkultur, über die es zuletzt sogar im Guardian einen Artikel gab.

Das häufige Stoßlüften in Deutschland ist tatsächlich die beste Möglichkeit, Schimmel zu vermeiden, ohne dabei die Heizungen zu überfordern. Noch dazu hilft es dabei, Wohnungen mit ausreichend Sauerstoff zu versorgen und in Zeiten von Corona für genügend Luftzug zu sorgen.

Hierzulande ist es sogar üblich, im Mietvertrag eine Klausel zum richtigen Lüften zu unterschreiben. Wir verpflichten uns damit dazu, bis zu fünfmal täglich für einen Luftzug zu sorgen. Statt Kipp ist es sinnvoll, die Fenster einmal alle kurz aufzureißen. Vor allem, wenn du im Homeoffice arbeitest, wirst du dies schnell zu schätzen lernen.

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Das Risiko beim Heizen: Energieverschwendung

Wer zum ersten Mal allein wohnt, ist schnell von den hohen Energiekosten überrascht. Diese werden im Rahmen der Nebenkosten als Warmmiete mit zur Miete gezählt. Die jährliche Nebenkostenabrechnung zeigt, ob die Schätzung stimmt oder ob du nachzahlen musst. Wer weniger heizt als erwartet, bekommt auch Heizkosten zurück.

Neben den Kosten hat das Heizen auch einen wichtigen Umweltschutzaspekt: Denn je mehr Öl und Strom wir für das Heizen verbrennen, desto mehr Ressourcen verbrauchen wir. Und genau diese sind knapp, wie zum Beispiel der jährliche Earth Overshoot Day zeigt. Zwar funktionieren viele deutsche Heizungssysteme mit Erdgas, aber auch dieses ist letztendlich ein fossiler Brennstoff, steht also nur begrenzt zur Verfügung.

Deine Vorteile am korrekten Heizen und Lüften

Umso wichtiger ist es also, dass du deine Wohnung richtig heizt und lüftest. So bist du zum Beispiel im Lockdown kostengünstig, umweltfreundlich und noch dazu gesundheitsfördernd unterwegs. Denn in gut durchlüfteten Räumen ist das Ansteckungsrisiko für Corona deutlich geringer. Die tägliche Dosis Frischluft, die du beim Stoßlüften erhältst, ist außerdem gut für das Immunsystem.

Korrekte Heizungseinstellungen sind auch dazu da, Schimmel zu vermeiden. Denn gerade im Winter kommt es schnell dazu, dass die Feuchtigkeit in der Luft deren Aufnahmekapazität übersteigt. Das liegt daran, dass kalte Luft deutlich weniger Feuchtigkeit aufnehmen kann als warme Luft. In diesem Fall gibt es ein Übermaß an Feuchtigkeit, das rasch zu Schimmel führen kann. Dieser sieht nicht nur unschön aus, sondern ist aufgrund der hartnäckigen Pilzsporen auch schlecht für die Gesundheit.

Tipp: Mit einem Messgerät überprüfst du, ob sich die Luftfeuchtigkeit noch im empfehlenswerten Bereich zwischen 35 und 60 Prozent bewegt. Durch Stoßlüften beeinflusst du die Feuchtigkeit. Darüber hinaus ist es sinnvoll, Möbel einige Zentimeter von der Wand entfernt aufzustellen, um Schimmel keine Chance zu geben.

Thermo

Was ist die richtige Raumtemperatur?

Die Raumtemperatur ist eine Wissenschaft für sich. Fest steht, dass du schon durch eine Reduktion von einem Grad etwa sechs Prozent deiner Heizenergie einsparst. Durch intelligente Planung und flexible Temperaturen kannst du also die optimale Nutzung der Heizung erreichen. In der Praxis hilft dabei ein programmierbares Thermostat.

Diese Temperaturen sind in den verschiedenen Zimmern zu empfehlen:
  • Wohnräume: 20 °C
  • Badezimmer: 23 °C
  • Schlafräume: 17 °C
Viele Menschen haben die Temperaturen im Wohnzimmer auf bis zu 24 °C eingestellt, da dies eine typische Wohlfühltemperatur ist. Jedoch empfehlen wir dir, stattdessen einen etwas dickeren Pulli zu wählen und dich ausreichend zu bewegen. Dies ist sowohl für die Gesundheit als auch für deinen Geldbeutel eine viel bessere Wahl als eine hohe Temperatur.

Das Badezimmer ist ein Sonderfall bei der Beheizung, denn während du andere Zimmer erst kurz vor Nutzung heizen solltest, ist im Bad eine langfristige Heizung sinnvoll. Durch den Temperaturwechsel kommt es anderenfalls schneller zu Schimmel. Denke daher daran, im Badezimmer eine konstante Temperatur beizubehalten und den Raum gut zu lüften.

Tipps für nachhaltiges Heizen

Im Folgenden stellen wir dir einige Tipps vor, mit denen du deinen Energieverbrauch beim Heizen senken kannst. Wusstest du, dass in vielen Wohnungen die Heizung bis zu 70 Prozent der Energiekosten beziehungsweise der Warmmiete ausmacht? Das muss nicht sein!

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Wie stelle ich meine Heizung korrekt ein?

Ausschlaggebend für nachhaltiges Heizen ist eine richtig eingestellte Heizung. Kaufe dir Thermostate, falls noch keine vorhanden sind. Diese lassen sich leicht bedienen und moderne Modelle sind sogar vom Smartphone aus kontrollierbar.

Experimentiere mit den Temperaturen, die du bevorzugst, und stelle die Heizungen dann entsprechend ein. Beispielsweise ist es empfehlenswert, Küche, Wohnzimmer und Homeoffice erst kurz vor der Nutzung zu heizen. Dies gilt insbesondere dann, wenn du den ganzen Tag unterwegs bist. Bei niedrigen Außentemperaturen kannst du eine Grundtemperatur von etwa 18 °C in unbenutzten Räumen aufrechterhalten, damit die Beheizung schneller geht.

Nachts darf sich die Wohnung gern ein wenig abkühlen. Im Schlafzimmer ist ohnehin die niedrigste Raumtemperatur empfehlenswert. Bei längeren Abwesenheiten bist du als Mieter dafür verantwortlich, die Temperatur nicht unter 14 °C sinken zu lassen – auch hier hilft eine Heizeinstellung per Thermostat.

Wie lüfte ich richtig?

Heizen und Lüften gehen Hand in Hand. Überprüfe zunächst, zu welchem Lüftungsverhalten du dich in deinem Mietvertrag verpflichtest hast. Dort sollte sich auch eine Anleitung zum korrekten Stoßlüften befinden. Dieses dauert nicht länger als zehn Minuten und besteht darin, gezielt Luftströme zu erzeugen, indem du die Fenster komplett öffnest.

Im Sommer und bei höheren Temperaturen ist die Kippstellung der Fenster in Ordnung. Diese dient jedoch eher einer lauen Brise und der Sauerstoffzufuhr. Sie kann das Lüften mit komplett geöffneten Fenstern nicht ersetzen. Bedenke außerdem, dass längeres Lüften sowohl die Wände als auch die Möbelstücke auskühlt, wodurch beim Heizen danach mehr Energie verbraucht wird.

Faustregel: Nutze die Kippstellung der Fenster nur außerhalb der Heizperiode von Oktober bis März.

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Was tun bei trockener Heizungsluft?

Beim Heizen erwärmt sich die Luft und nimmt daher mehr Feuchtigkeit auf. So sinkt die Luftfeuchtigkeit und wir haben schnell tränende Augen, trockene Nasen oder gar ein Kratzen im Hals. Die folgenden Möglichkeiten helfen dir dabei, die Luftfeuchtigkeit auch in der Heizperiode angenehm zu gestalten:
  • Schaffe dir Zimmerpflanzen an, die die Luft befeuchten und noch dazu reinigen.
  • Investiere gegebenenfalls in einen elektrischen Luftbefeuchter.
  • Senke die Heiztemperaturen ein wenig.

Was tun bei hohen Heizkosten?

Falls die Heizkosten zu hoch werden, was unter anderem auf hohe CO2-Emissionen und damit Umweltrisiken hinweist, solltest du aktiv werden. Neben dem richtigen Heizen hast du zum Beispiel die Möglichkeit, deinen Stromanbieter zu wechseln. Wie wäre es direkt mit einem Wechsel zu einem Ökostromanbieter?

Eventuell ist auch die Wartung der Heizung an der Reihe. Ein hydraulischer Abgleich entlässt unnötige Luft aus dem Heizungssystem, sodass dieses effizienter arbeiten kann. Wenn deine Heizung gurgelnde Geräusche macht und nicht richtig warm wird, hilft dir ein Heizungsinstallateur beim hydraulischen Abgleich.

Zu guter Letzt empfehlen wir dir, die Heizungen frei zu halten. Massive Möbel, Vorhänge oder Kleidung vor und auf der Heizung führen schnell zu einem Wärmestau. Dabei produziert der Heizkörper Wärme, die nicht zirkuliert. Ein freier Heizkörper hingegen arbeitet deutlich effizienter und braucht weniger Energie.


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