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Wie die Erde von Kunststoff eingenommen wurde

Die ersten Vorläufer des Kunststoffs gab es bereits im ausgehenden Mittelalter bzw. Anfang der Renaissance, nämlich 1531. Der Augsburger Benediktinerpater Wolfgang Seidel stellte damals aus Magerkäse durch häufiges Erhitzen und Reduzieren Kasein, einen im warmen Zustand gut formbaren und im erkalteten Zustand hart werdenden Stoff, her. Die indigenen Völker Mittelamerikas nutzten schon um 1600 Naturkautschuk zur Herstellung von Bällen, Kleidungsstücken, Gefäßen und Schläuchen. Künstlich hergestellte Makromoleküle (Kunststoff im engeren Sinne) gab es aber erst wesentlich später. 
1855 stellte Alexander Parkes, obwohl er weder Chemie noch Physik studiert hatte, mit Parkesine als Erster einen der thermoplastischen Kunststoffe her. Auf der Weltausstellung in London im Jahre 1862 wurde Parkes dafür mit einem Preis ausgezeichnet. Parkes' Partner Daniel Spill entwickelte es zu Xylonite weiter, was dem zeitgleich in den USA von John Wesley Hyatt erfundenen Zelluloid entsprach, was als Ersatzmaterial für Elfenbein bei der Herstellung von Billardkugeln entwickelt worden war. Der Patentstreit wurde vom Gericht zugunsten Parkes' und Spills entschieden. 
Einer der heute gängigsten Kunststoffe, Polyvinylchlorid (PVC), war zunächst eine Zufallsentdeckung, denn es entstand als weißes Pulver, wenn Vinylchrlorid der Sonne längere Zeit ausgesetzt wurde. Zwar machte Henri Victor Regnault diese Entdeckung schon 1838, erkannte ihren Nutzen aber nicht. Ironischerweise nutzte Fritz Klatte PVC ab 1912 zur umweltfreundlichen Entsorgung des hochgiftigen Chlors, das bei der Erzeugung von Natronlauge als Abfallprodukt entstand. Heute ist PVC selbst zu einem Problem für die Umwelt geworden. Das Interesse an PVC als kostengünstigeren Rohstoff wuchs ab dem Ersten Weltkrieg. Der wirkliche Durchbruch des Kunststoffs erfolgte dann in den 1930er und 1940er Jahren, als man begann industriell Kunststoffflaschen zu fertigen, die aber zunächst noch recht teuer in der Herstellung waren. 1978 wurde von Coca Cola dann die PET-Flasche eingeführt. 

Plastik und der Mensch

Die Entwicklung der letzten Jahre

1950 wurden etwa zwei Millionen Tonnen makromolekulare Kunststoffe gefertigt. Bis 1989 hatte die Industrie etwa hundert Millionen Tonnen Kunststoff produziert. Seither ist die Gesamtmenge an Plastik auf 8,3 Milliarden Tonnen (Stand: 2017) angewachsen - das entspricht dem Gewicht von 822.000 Eiffeltürmen und der Eiffelturm ist aus Stahl - und nur ein geringer Bruchteil davon befindet sich im Gebrauch. Die überwiegende Mehrheit ist Abfall. Man kann also von etwa 8 Milliarden Tonnen Kunststoffmüll ausgehen, der zu nur 9 % recycelt und zu 12 % verbrannt wurde. Bleiben 79 % übrig und davon ist wiederum die große Mehrheit in der Natur und nicht auf Mülldeponien zu finden. Bis 2050 sollen es Schätzungen zufolge 12 Milliarden Tonnen Plastikmüll sein. Hauptumweltsünder sind längst nicht mehr die Industriestaaten der Ersten Welt, denn in Europa hat sich die Kunststoffproduktion um die Jahrtausendwende herum auf einem stabilen Niveau eingependelt, während sie weltweit um 67,5 % gestiegen ist. Diese Entwicklung ist umso dramatischer da in Schwellen- und Entwicklungsländern die Bevölkerungszahl und der pro Kopf Verbrauch an Kunststoffen zunimmt. Selbst wenn weit mehr Kunststoffabfall recycelt würde, wäre dies keine Dauerlösung, da Recycling den Zeitpunkt, da etwas endgültig zu Müll wird, nur verzögert. Ferner müsste sich die Menge neu produzierten Kunststoffs durch das Recycling verringern. 

Warum sind Kunststoffe so problematisch für die Natur? - Eine Frage der Nachhaltigkeit

Nackte Zahlen verraten zunächst aber wenig darüber, warum Kunststoffe so wenig nachhaltig und umweltschädlich sind. Hinsichtlich der Nachhaltigkeit sind diese Materialien gleich doppelt problematisch. Anders als Bambus und Naturkautschuk ist Erdöl und somit das daraus gefertigte Plastik kein rasch nachwachsender Rohstoff. Man bezeichnet Rohstoffe, die nur über Millionen Jahre hinweg langsam entstehen, als fossil. Fossile Rohstoffe sind rare Güter, da es nur eine begrenzte Menge von ihnen auf der Erde gibt, und wir verbrauchen sie in viel zu hohem Maße. Neben Erdöl zählen auch Kohle und Erdgas zu den als fossil bezeichneten Rohstoffen. Gleichzeitig sind Kunststoffe nicht biologisch abbaubar und erzeugen deshalb große Mengen an Abfall. Das Hauptproblem hierbei sind nicht so sehr Gebrauchsgegenstände, Dekorationsobjekte oder Spielzeuge, denn die sollen ja langlebig sein und befinden sich großteils noch in Gebrauch, sondern Verpackungen und Wegwerfartikel, von denen die meisten durch biologisch abbaubare Materialien wie Bambus oder ebenso hygienische aber leichter wiederverwertbare wie Metall, auf dem sich Keime noch weit schlechter halten als auf Kunststoffen, ersetzbar wären. Nur für wenige Artikel - etwa Einweghandschuhe in Medizin, Pflege und Lebensmittelverarbeitung - lassen sich nicht durch andere Werkstoffe, die der Erde weniger schaden, ersetzen. 

Der Ursprung von Kunststoff und wo sich Plastik überall befindet

7 Dinge, die wir tun können, um die Umwelt im Alltag von Plastik zu entlasten

  1. Ziehe Glasflaschen solchen aus PET vor. 
  2. Kaufe dir wiederverwendbare Strohhalme  aus anderem Material als Plastik, wenn du aus hygienischen oder gesundheitlichen Gründen nicht darauf verzichten kannst.
  3. Nehme zum Einkaufen selbst Taschen mit, statt Plastiktüten zu verwenden. 
  4. Vermeide grundsätzlich den Gebrauch von Einwegartikel: Bambusgeschirr statt Plastikgeschirr, echte Kaffeetassen statt Kunststoffbechern, austauschbare Klingen statt Einwegrasierer, Bambusbesteckstatt Plastikbesteck etc. 
  5. Versuche Verpackungsmüll so gut wie möglich zu reduzieren 
  6. Vermeide Hygieneartikel mit Mikrokügelchen.
  7. Achte auf Produkte, die besonders schädliche Kunststoffe wie Polyethylen (PE), Polyethylenterephthalat (PET), Polypropylen (PP), Polytetrafluorethylen (PTFE), Polymethylmethacrylat (PMMA), Polystyrol (PS) und Nylon enthalten und versuche sie zu meiden. 

Was sind deine Tipps, um im Alltag Plastik zu vermeiden?


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