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Gastbeitrag von Johannes Hülstrung

Der ökologische Fußabdruck gibt die Erdfläche an, die für den Lebensstandard eines Menschen nötig ist. Und wie groß ist meiner? Das möchte ich in einem Selbstversuch wissen. Ich als Student habe doch nichts zu verbergen. Mit gutem Gewissen beginne ich mein Experiment. Schließlich fahre ich regelmäßig mit der Bahn statt mit dem Auto zur Uni, ernähre mich vegetarisch und habe ein durchaus ausgeprägtes Umweltbewusstsein. Als überzeugter Kaffee-Verächter benutze ich noch nicht einmal diese schicken Pappbecher, ohne die man auf dem Campus kaum als richtiger Student wahrgenommen wird.

Ein Selbstversuch zu meinem ökologischen Fußabdruck sollte also kein Problem werden. Größer als mein tatsächlicher Fußabdruck (Schuhgröße 45) kann der ja wohl nicht sein. Ein Semester lang achte ich darauf, wie nachhaltig ich lebe. Mit einem ganz normalen Uni-Tag geht es los. Morgens werde ich von meinem Handy geweckt. Der Blick geht sofort auf die Akkuanzeige: 54 Prozent. Zu wenig für rund acht Stunden an der Uni. So smart die modernen Geräte auch sein mögen, besonders leistungsstark sind die Stromfresser nicht. Aber auf eine mobile Nokia-Telefonzelle aus den 90ern will ich auch nicht umsteigen. Also her mit dem Ladegerät – für das Handy geht es an die Steckdose, für mich selbst ins Badezimmer.

Dort drehe ich erst mal die Musik auf, um wach zu werden. Während Die Fantastischen Vier „Ich lass beim Zähneputzen ständig warmes Wasser laufen“ rappen, achte ich darauf, genau das nicht zu tun. Da bei mir morgens meistens die Zeit knapp wird, gehe ich ohne Frühstück aus dem Haus. Schnell schmiere ich mir noch ein Brot und verstaue es in einer Plastikdose – deutlich umweltschonender als in Alufolie oder Frühstückspapier. Dann geht es ab zum Bus. Der fährt mir mit freundlich aufleuchtenden Rücklichtern gerade vor der Nase weg. Beim fast schon traditionellen Dauerlauf zum Bahnhof denke ich, dass das nachhaltigste Fortbewegungsmittel doch die eigenen zwei Beine sind. Der Abdruck, den ich dabei auf dem Boden hinterlasse, spielt für meinen ökologischen Fußabdruck wohl keine Rolle.

Das nachhaltigste Fortbewegungsmittel sind doch die eigenen zwei Beine

In der ersten Vorlesung verteilt der Professor eifrig Zettel. Es sind Ausdrucke aus dem Internet, drei Seiten pro Student. Die Zettel sind einseitig bedruckt; ärgerlich, denn so wird doppelt so viel Papier verbraucht. Doch die schlimmste Papierverschwendung realisiere ich erst bei genauem Hinsehen: Die dritte Seite ist fast komplett leer, nur in der Kopfzeile stehen die URL und der Hinweis „Seite drucken“. Dass diese Aufforderung tatsächlich befolgt und die Seite gedruckt wurde, ist in fast schon lächerlicher Weise völlig sinnlos. Meine Schuld ist das zwar nicht, aber da muss ich wohl mal ein ernstes Wörtchen mit dem Professor wechseln. Den überflüssigen Zettel verwahre ich als Schmierpapier zum Drucken von Entwürfen.

Auf diesen Schock brauche ich eine Stärkung aus der Mensa. Dort wird mir Nachhaltigkeit versprochen. Laut Studentenwerk sind zum Beispiel Kaffee und Zucker aus fairem Handel. Außerdem werde bei vielen Produkten darauf geachtet, dass sie aus der Region kommen. Ob meine Fagottini Pomodori nicht vielleicht doch aus Italien stammen, weiß ich nicht. Aus Kaffee und Zucker bestehen sie jedenfalls nicht. Ein fair gehandeltes Mittagessen kann ich also nicht erwarten. Immerhin sind die Nudeln vegan, was meinen ökologischen Fußabdruck im Vergleich zu Fleischessern deutlich reduziert. Schließlich benötigt man durchschnittlich zehn Kilo Getreide für die Produktion von einem Kilo Fleisch.

Wie groß ist der ökologische Fußabdruck eines Studenten?

Als ich abends nach Hause komme, möchte ich es genau wissen: Wie groß ist mein ökologischer Fußabdruck denn nun? Auf der Seite www.fussabdruck.de des Hilfswerks „Brot für die Welt“ kann ich ihn mir berechnen lassen. Nach den 13 Fragen zu Ernährung, Wohnen, Mobilität und Konsum ist mir klar geworden, was den Fußabdruck am rasantesten wachsen lässt: der Verzehr von tierischen Produkten, übermäßiges Verursachen von Müll – und häufige Reisen mit dem Auto oder dem Flugzeug.

Das ist ein gutes Stichwort für die Planung der Semesterferien. Nach den Klausuren und Hausarbeiten bleibt noch ein bisschen Zeit für Urlaub, bevor der Uni-Stress wieder von vorne losgeht. Also: Ab in den Flieger? Halt, mein Experiment ist ja noch nicht zu Ende. Bei einem Flug von Düsseldorf nach Mallorca und zurück wäre ich als einzelner Passagier für den Ausstoß von 0,75 Tonnen CO2 verantwortlich. Diese Flugreise in die Sonne ist sicherlich ein Wachstumsschub für meinen ökologischen Fußabdruck. Wie sehr, das lässt sich sogar ziemlich genau erfassen.

Die Belastung liegt je nach Flugdistanz zwischen 70 und 250 globalen Quadratmeter (gm²) pro 100 Kilometer. Geht man vom Mittelwert aus, ergäbe das im genannten Beispiel knapp 4.300 gm². Wie viel das ist, wird deutlich, wenn ich den Wert zu meinem ökologischen Fußabdruck dazu addiere. Der liegt bei 3,3 globalen Hektar (gha) pro Jahr. Mit einem einzigen Mallorca-Urlaub würde er sich auf 3,73 gha vergrößern. Ich verzichte also auf den Flug, schließlich gibt es zahlreiche Alternativen. Ein Camping-Trip durch Holland mit dem Fahrrad zum Beispiel? Im Vergleich zur Flugreise ließe das meinen ökologischen Fußabdruck deutlich schrumpfen, meinen Geldbeutel aber kaum.

Dass wir überhaupt noch in fremde Länder reisen können, ist nicht selbstverständlich. Denn für uns gilt: Die Welt ist nicht genug. Laut Statista würden 3,1 Erden benötigt, wenn die gesamte Weltbevölkerung nach dem Lebensstandard und Ressourcenverbrauch von Deutschland leben würde. Damit gehören wir zu den sechs Nationen, die ökologisch auf dem größten Fuß leben; knapp hinter Südkorea, Russland und der Schweiz mit jeweils 3,3 Erden. Die USA mit 4,8 sind noch um einiges ausschweifender. Auf Platz eins liegen sie aber überraschenderweise nicht – sondern Australien mit 5,4. Andere Länder, etwa Indien mit 0,7, gehen sparsamer mit der Erde um. Weltweit liegt der Wert bei 1,6; also höher, als wir es uns eigentlich leisten können.

Ökologisch gesehen sind wir in Deutschland ziemliche Bigfoots

Und was ist jetzt mit meinem ökologischen Fußabdruck von 3,3 gha? Soll ich damit zufrieden sein? Mein persönliches Testergebnis liegt immerhin unter dem deutschen Schnitt von 5,0, aber über dem Durchschnitt der Weltbevölkerung und deutlich über dem Nachhaltigkeits-Wert von 1,7. Selbst kaum Vermeidbares wie Bahnfahren, elektronische Geräte zu benutzen oder die Wohnung zu heizen, wirkt sich negativ auf den Fußabdruck aus. Umso wichtiger ist mir, bei anderen Dingen konsequent zu bleiben. Ob 3,3 gha umgerechnet größer sind als Schuhgröße 45, weiß ich nicht. Aber eins ist klar: Ökologisch gesehen sind wir in Deutschland ziemliche Bigfoots – auch als Studenten.


Autor Johannes Hülstrung
Johannes Hülstrung

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