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Nachhaltigkeit und Reiseliebe vereinen - geht das?

August 17, 2022 6 min lesen.

Nachhaltigkeit und Reiseliebe vereinen - geht das?

Wer das Reisen liebt und aber auch großen Wert auf Nachhaltigkeit im Alltag legt, kennt sicher den gedanklichen Zwiespalt, der sich daraus immer wieder ergibt. Reisen ist für viele Menschen Balsam für die Seele, sorgt für Erholung und erweitert den Horizont. Auch kann sich der Besuch fremder Länder positiv auf das eigene Selbstbild auswirken.

Aus diesem Grund ist es wichtig, ein gutes Mittelmaß zu finden, bei dem der Reiseliebe gerecht werden und gleichermaßen alles in der Macht stehende getan werden kann, um möglichst umweltbewusst zu agieren.

In diesem Beitrag geben wir ein paar einfache und praktische Tipps, wie in der Praxis die Liebe für das Reisen und Unterwegs Sein mit dem Faktor Umweltfreundlichkeit in Einklang gebracht werden können.

Wie umweltfreundlicheres Reisen funktionieren kann

Es steht außer Frage, dass die An- und Abreise zum Reiseort in der Regel den größten Klima-Faktor darstellen, da je nach Urlaubsziel große Distanzen zurückgelegt werden. Wer hier bereit ist, Abstriche zu machen, begnügt sich mit einem nahen Ziel, welches mit Zug oder Bus erreichbar ist. Dies ist bei den meisten europäischen Ländern der Fall.

Abgesehen vom Reiseweg gibt es weitere Faktoren innerhalb der Landes, welches ausschlaggebend zu einer nachhaltigeren Gestaltung von Reisen beitragen können. Selbstverständlich lassen sich nicht immer alle Aspekte berücksichtigen, jedoch ist der Großteil ohne Einschränkungen und mit etwas Vorausplanung umsetzbar.

Über die Umweltsituation im Land informieren

Es ist immer sinnvoll, sich vorab über die lokale Situation in Hinblick auf Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein im Reiseland zu informieren. Dies hilft dabei, sich eine Vorstellung von den Bedingungen und Möglichkeiten vor Ort zu machen und gegebenenfalls bewusster zu planen und passende Ausstattung einzupacken.

Die richtige Reise-Ausstattung

Nur mit Handgepäck reisen

Das Reisen mit leichtem Gepäck hat mehrere Vorteile: Für den Fall eines Fluges wird weniger Raum und Gewicht in Anspruch genommen. Auch im Zug oder Bus ist es oft von Vorteil, mit überschaubarem Gespäck zu reisen, um Platz und in vielen Fällen auch Geld einzusparen.

Nur digitale Tickets verwenden

Nahezu alle Fluggesellschaften, größere Zug- und Busunternehmen bieten mittlerweile den digitalen Fahrkartenverkauf an. Insbesondere dann, wen einige Wege mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt werden, kann durch den Verzicht auf Tickets in Papierform jede Menge Müll eingespart werden.

Einwegmüll vermeiden durch wiederverwendbare Alternativen

Einer der größten Müllfaktoren beim Reisen ist der von Einweggeschirr in Form von Becher, Besteck, Servietten oder To-Go Boxen. Um diese zu vermeiden ist es ratsam, eine eigene Lunchbox und eine eigene Trinkflasche im Gepäck zu haben. Diese kleine Grundaustattung ermöglicht es, trotz allem nicht auf Straßenessen und -Getränke verzichten zu müssen und in den Genuss lokaler Spezialitäten zu kommen.

Wem diese Gegenstände zu viel Platz wegnehmen, empfehlen sich faltbare Trinkflaschen oder Brotdosen aus Silikon. Sie lassen sich bis aufs Minimum verkleinern und sind flexibel einsetzbar. Aber auch eine Lunchbox aus Edelstahl kann im Rucksack sinnvoll platziert und zwischenzeitlich mit anderem Reisezubehör befüllt werden.

Eine weitere gute Möglichkeit, um Einwegmüll zu vermeiden, ist es, einen wiederverwendbaren Silikonbeutel dabei zu haben. Dieser ist in seinem Einsatz sehr flexibel und nimmt gerollt nahezu keinen Platz im Reisegepäck in Anspruch. Er eignet sich sowohl für den Transport von zubereiteten Speisen, als auch für geschnittenes Obst oder Reste vom Vortag.

Um Einwegbesteck gänzlich zu ersetzen, eignet sich wiederverwendbares Besteck, welches ebenfalls lediglich minimalen Platz im Rucksack benötigt. Praktische Besteck-Sets mit Messer, Löffel, Gabel, Strohhalm und Ess-Stäbchen sind die ideale Ausrüstung für jedes Reiseland und machen Einwegbesteck überflüssig.

Nachhaltige Badezimmerprodukte wählen

Viele Reiseliebhaber vergessen, dass sie auch bei der wahl ihrer Pflegeprodukte bereits viel in puncto Nachhaltigkeit erreichen können. Für das Reisen eignen sich feste Seifen für Haare, Körper und Rasur nicht nur in Bezug auf die Praktikabilität, sondern auch in Hinblick auf das Umweltbewusstsein.

Feste Seifen vereinfachen auch das Reisen mit Handgepäck, da nicht auf Flüssigkeiten geachtet werden muss. Darüber hinaus kann hier die bewusste Wahl auf Naturkosmetik fallen, welche dank ihrer Inhaltsstoffe und der meist plastikfreien Verpackung deutlich nachhaltiger sind, als in Plastik verpackte Shampoos und Duschgels.

Plastikfreie Deos und Sonnencremes sind gleichermaßen umweltfreundlich und praktisch für das Reisen in aller Welt. Der einzige Nachteil hierbei ist, dass diese Produkte nicht in allen Ländern verbreitet sind und nachgekauft werden können. Bei längeren Trips ist es daher sinnvoll, gut vorauszuplanen und sich zu informieren, in welchen Ländern die entsprechenden Produkte verfügbar sind und wann sie nachgekauft werden sollten.

Auch Zahnbürste und Zahnpasta sind mittlerweile in jedem Drogeriemarkt erhältlich und ergänzen die nachhaltige Auswahl an plastikfreien Pflegeprodukten für unterwegs.

Fortbewegung im Reiseland

Gute Routenplanung, um unnötige Wege zu vermeiden

Einige Reiseliebhaber genießen eines am Reisen ganz besonders: Flexibilität und Spontanität. Um den Trip möglichst umweltfreundlich zu gestalten, erweist es sich dennoch als sinnvoll, gewisse Dinge im Voraus zu durchdenken und bei Bedarf zu planen. So kann vermieden werden, dass ungeplante Wege und damit Kosten und Abgase entstehen.

Nahe Länder verbinden

Für diejenigen, die in den Genuss eines größeren und längeren Reise kommen, bietet es sich an, aneinander grenzende Länder miteinander zu verbinden, anstatt weite Wege per Flugzeug zurückzulegen. Durch die Wahl von öffentlichen Verkehrsmitteln wie Bussen, die beispielsweise in ärmeren Ländern Asiens und Südamerikas sehr weit verbreitet und gut vernetzt sind, ergibt sich ein deutlich ökologischerer Fußabdruck.

Öffentliche Verkehrsmittel nutzen

Wie bereits mehrfach angedeutet, stellt die Fortbewegung in der Regel einen der größten Umweltfaktoren in Hinblick auf das Reisen dar. Durch die Entscheidung für öffentliche Verkehrsmittel wie Busse, Züge oder sogar das Fahrrad, wird Nachhaltigkeit effetkiv unterstützt. In der Regel ist die Nutzung des öffentlichen Verkehrs in den meisten Ländern problemlos umsetzbar und oft auch eine authentischs Erfahrung.

Konsum im Reiseland

In Bioläden und auf lokalen Märkten einkaufen

Einkaufen im Ausland gestaltet sich oft als schwieriger als im gewohnte Heimatland. Insbesondere in Entwicklungsländern ist es Gang und Gäbe, dass Waren mehrfach in Plastik verpackt verkauft werden und gar keine andere Möglichkeit besteht, die Produkte zu transportieren. Insbesondere in diesen Ländern empfiehlt es sich, eine langlebige Einkaufstasche zum Beispiel aus Baumwolle immer im Rucksack zu haben.

Viele warme Länder verfügen über große Märkte, auf denen lokale Lebensmittel aller Art und ohne Verpackungen verfügbar sind. Ein Besuch dieser Märkte gleicht dem Einkaufen im Unverpackt-Laden und ist ein besonderes Erlebnis. Um den Einkauf möglichst umweltfreundlich zu gestalten, bietet sich das Mitbringen von Obst- und Gemüsenetzen und/oder Baumwoll-Einkaufstaschen an. Diese nehmen keinen Platz im Rucksack weg und können bei vielen Gelegenheiten zum Einsatz kommen.

To-Go Essen und Trinken vermeiden

Wer auf Essen und Trinken unterwegs nicht verzichten möchte oder kann, packt am besten seine Lunchbox und seine eigene Trinkflasche ein, um maximal flexibel zu sein und Einwegmüll zu vermeiden. Plastikstrohhalme, die zu frischen Kokosnüssen oder Cocktails gereicht werden, können vermieden werden, indem der eigene wiederverwendbare Strohhalm zum Einsatz kommt oder ganz auf einen Strohhalm verzichtet wird.

Auf importierte Produkte verzichten

In anderen Ländern sind uns vertraute Produkte nicht immer gleichwertig verbreitet und verfügbar. Insbesondere vegane Ersatzprodukte sind vor allem in ärmeren Ländern eher eine Seltenheit. Wenn sie denn in einem Markt verfügbar sind, sind die oft teuer oder haben weite Transportwege zurückgelegt.

Um die Reise auch kulinarisch möglichst nachhaltig zu gestalten, ist es ratsam, während der Zeit im fremden Land auf heimische Produkte zu verzichten und stattdessen regionale und saisonale Lebensmittel auszuprobieren und zu bevorzugen. Diese haben keine Transportwege zurückggelegt, sind frisch und häufiger unverpackt erhältlich.

Airbnbs von lokalen Bewohnern mieten

Die Auswahl an Unterkünften beim Reisen ist groß und vielfältig. Vom einfachen Zelt über ein Appartment bis hin zum Luxuhotel ist alles möglich. Wer Wert auf nachhaltiges Reisen legt, entscheidet sich in erster Linie eher gegen eine große und luxuriöse Hotelkette.

Die nachhaltigste Lösung ist es, im Zelt oder einer ähnlichen naturnahen Unterkunft zu nächtigen. Auch das Übernachten im Auto, Dachzelt oder Camper ist zwar einerseits umweltfreundlicher, setzt auf der anderen Seite natürlich die Fortbwegung mit einem Auto und ohne den öffentlichen nahverkehr voraus.

Eine Mittellösung ist das mieten von Wohnungen oder Zimmer bei Einheimischen. Solche Zimmer sind beispielsweise bei Airbnb zu finden. Wer ganz flexibel und spontan ist, kann auch vor Ort nach ausgeschriebenen freien Zimmern Ausschau halten oder sich herumfragen und wird mit Sicherheit eine Schlafmöglichkeit finden.

Als Besucher im Land ein Vorbild sein

Als Tourist im fremden Land besteht die Möglichkeit, den Einheimischen vorzuleben, was Nachhaltigkeit nach deutschem Standard bedeutet und wie einfache Alltagssituationen gelöst werden können. Menschen, die in Afrika, Asien oder Südamerika unter einfachen Bedingungen leben müssen, denken vermutlich eher weniger darüber nach, wie viel Plastikmüll sie produzieren.

Den Einheimischen zu zeigen, dass Einkäufe in einer wiederverwendbaren Tragetasche transportiert werden können oder aber, dass drei Bananen nicht in einer Plastiktüte verpackt werden müssen, kann sich positiv auf deren Verhalten auswirken. Oft fehlt es den Bewohnern nicht an Interesse oder Offenheit für einen umweltfreundlicheren Lebensstil, sondern an Wissen und Ressourcen.

Selbstverständlich ist es nicht möglich, die Ausgangslage eines Landes durch reines Aufzeigen oder Vorleben zu verändern, jedoch kann im Gespräch mit Einheimischen zumindest so manche Thematik ausgetauscht und vielleicht auf lange Sicht zumindest minimal verbessert werden.


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