Wie wird eigentlich unser Honig gewonnen?

Mai 17, 2020 7 Minuten Lesezeit

Retten nachhaltige Imker Bienen

Ja, man hat es seinen Kindern schon früh mitgeteilt: So wie die Kühe die Milch für uns produzieren, so machen Bienen unseren Honig. Aber wie genau das eigentlich geht, ist eine Kunst für sich! Es ist gar nicht so einfach, ein Volk von bis zu 20.000 Individuen zu managen. Die Honigbiene ist ohne die Hilfe des Menschen nicht mehr dauerhaft überlebensfähig. Genau deshalb ist es so erfreulich, dass sich in den letzten Jahren immer mehr Jungimkerinnen und Jungimker zu den erfahrenen Bienenvätern gesellen. Denn Honig vom Imker um die Ecke schmeckt nicht nur gut, er ist auch gut für unsere Umwelt, besonders, wenn wir Bio-Honig von einem ökologischen Imker kaufen.

 

Der Bienenstaat und der Honig

Bienen leben in einem komplizierten Zusammenspiel aus weiblichen Arbeitsbienen, einer Bienenkönigin und männlichen Drohnen. Letztere dienen nur der Erbgutweitergabe an die eigenen oder anderen Bienenköniginnen beim sogenannten Hochzeitsflug. Die Arbeiterinnen verrichten alle Tätigkeiten, die im Bienenvolk anfallen: Sie versorgen, füttern, belüften, kühlen oder wärmen die Brut. Sie putzen oder verdeckeln Zellen, bauen mit selbst ausgeschwitzten Wachsplättchen die Waben auf, helfen der Königin, verteidigen die Behausung gegen Eindringlinge und sammeln schließlich am Ende ihres kurzen Lebens Pollen und Nektar. Die Arbeiterinnen produzieren auch den Honig, die Bienenkönigin legt hingegen ausschließlich Eier. In den letzten Tagen eines Arbeiterinnenlebens schaffen sie einen immensen Mehrwert für die gesamte Umwelt, denn sie bestäuben Pflanzen und legen Vorräte für das Bienenvolk an. Diese Vorräte an Pollen und zu Honig umgewandeltem Nektar nimmt der Imker einmal am Ende des Frühjahrs und dann noch einmal im Sommer dem Volk weg.

 

Wie machen Bienen Honig

Das mag für jemanden, der sich nie mit der Imkerei befasst hat, sehr gemein klingen. Warum produzieren Bienen Honig, wenn sie sich dann nicht davon ernähren sollen? In der warmen Jahreszeit tun sie das tatsächlich. Allerdings kann das Volk auf dem eigenen Honig leider nicht so einfach überwintern wie auf zugesetztem Zuckersirup. Der Grund hierfür liegt darin, dass der Honig in den Waben zwar verdeckelt wird, aber mit der Zeit auskristallisiert. Dadurch ist er für die Bienen im Winter nicht mehr aus den Waben herauszulösen. Dazu benötigten die Tiere nämlich Wasser, das aber nicht vorhanden ist. Bei winterlichen Temperaturen können die Bienen die Behausung nicht verlassen, denn sie sind wechselwarm und würden sofort erfrieren. Die richtige Innentemperatur schaffen sie durch Flügelbewegungen und dadurch, dass sie eng zusammenrücken, um sich zu wärmen. Trotz Honigvorräten würde das Volk also im Bienenstock verhungern und verdursten. Weil sich im Lauf des Winters außerdem im Darm der Bienen die Verdauungsreste ansammeln, wäre vor allem der ballaststoffreiche Sommertracht-Honig sehr schlecht für die Überwinterung.

Normalerweise warten die Bienen, bis der erste sonnige und etwas wärmere Frühlingstag anbricht. Dann verlassen sie zum ersten Mal nach dem Winter den Stock zum sogenannten „Reinigungsflug“ und leeren ihren Darm von den Verdauungsresten, die sich über den ganzen Winter im Darm angesammelt haben. Bei zu ballaststoffreichem Futter, also etwa Sommertracht-Honig, halten die Bienen aber unter Umständen nicht lange genug aus. Zu viel Kot sammelt sich im überfüllten Darm. Neben der Auskristallisierung würden die Bienen in einem längeren Winter dann ihre eigene Behausung verkoten. Das kann fatale Folgen haben, denn Krankheiten können sich dann im Volk bilden und es schließlich nur schwach durch den Winter kommen oder sogar sterben lassen.

 

Aufgaben des Imkers bei der Honigproduktion und bei der Betreuung eines Bienenvolkes

Aufgabe des Imkers ist es also, den Honig wegzunehmen und die Bienen stattdessen im Winter mit einer Zuckerlösung zu füttern. Er gibt den Bienen Raum, wenn das Volk im Frühjahr größer wird und Platz für immer mehr Brut, Pollenvorrat und Honig benötigt. Nach der ersten Honigernte setzt er wieder neue Räume für den Sommerhonig auf das Brutnest, damit die Bienen wieder Vorräte schaffen können. Die Bautätigkeit und das Sammeln sind wichtig für das Volk, denn das Gefühl, dass noch viel Arbeit zu erledigen ist, hält ein Bienenvolk friedlich und die staatliche Ordnung aufrecht. 

 

Wie wird Honig von den Honigbienen produziert

Auch wenn der Honig dann geerntet ist, muss er weiterbearbeitet werden. Nachdem die Waben von den kleinen Wachsdeckeln befreit wurden, wird der Honig ausgeschleudert und gesiebt, um Wachsstückchen oder andere Fremdkörper zu entfernen. Der Wassergehalt des Honigs wird zudem geprüft, denn wenn er zu feucht ist, ist er nicht gut haltbar im Glas. Die Kristallisation beginnt unmittelbar nach dem Schleudern. Ließe man den Honig nun einfach stehen oder würde ihn direkt ins Glas füllen, dann entstünde daraus recht schnell ein unansehnlicher kristalliner Klumpen, den man mit dem Löffel oder Messer kaum mehr herausbekäme. Um die cremige Struktur zu schaffen, die wir am Honig so lieben, wird er mehrmals mit einem großen Rührgerät durchgerührt. Das zerstört immer wieder die großen Kristalle, bis der Honig vollständig karamellisiert und samtig ist. Erst dann wird er in Gläser abgefüllt. Für den echten „deutschen Imkerhonig“ muss der Imker eine gesonderte Schulung machen, denn es handelt sich hier um ein Qualitätsprodukt, das nicht jeder Hobbyimker einfach so vertreiben darf.

 

Und sonst?

Der Imker braucht ein umfassendes Wissen über die Zusammenhänge im Bienenstaat, um richtig reagieren zu können. Es reicht eben nicht aus, nur den Honig zu ernten, sondern der Imker muss das Verhalten des Volkes interpretieren und dann mit den richtigen Maßnahmen helfen oder sogar ein Volk auflösen. Das kann der Fall sein, wenn die Königin gestorben ist, das Volk aber keine neue Königin nachzieht. Um mehr Völker zu erhalten, kann ein Ableger gebildet werden oder ein Volk wird geteilt und künstlich eine Königin zugesetzt. Die meisten Imker versuchen außerdem, das Schwärmen der Bienen zu vermeiden, denn er muss den Schwarm dann verfolgen und einfangen, was mit hohem Aufwand für ihn verbunden ist. Anwohner bekommen zudem Angst vor einer riesigen Menge fliegender Bienen in ihrer Umgebung. 

Leider verbringt der Imker auch viele Stunden damit, Krankheiten bei den Bienen zu behandeln. Aus Asien wurde eine Milbe eingeschleppt, mit der sich außer australischen Imkern alle Imker der Welt herumschlagen müssen: die Varroa-Milbe. Sie passt genau den Moment ab, wenn die Bienen die Brut im Puppenstadium für die Umwandlung zum fertigen Insekt verdeckeln. Dann legen sie ihre Eier mit in die Wabe und die Milben parasitieren an der Bienenpuppe. Die Varroa-Milbe tötet so ganze Völker ab, wenn man sie nicht in Schach hält. Ganz ausrotten kann der Imker die Milbe nicht, aber er versucht mit mehreren Maßnahmen über das Jahr verteilt, ihre Anzahl gering zu halten. Auch andere Erkrankungen bei den Völkern muss der Imker behandeln und dabei eine gewisse Hygiene bei der Bewirtschaftung des Volks sicherstellen.

 

Woran erkenn ich guten Honig

Ökologisch vs. konventionell imkern: Was sind die Unterschiede?

Regionale und ökologisch erzeugte Produkte haben mittlerweile einen hohen Stellenwert. Besonders junge Familien legen Wert darauf und kaufen bevorzugt bio. Die Wirtschaftsweisen der Imker unterscheiden sich: Einige nutzen Styroporbeuten als Bienenbehausung, weil sie sehr leicht sind, andere schwören auf Holzbeuten. Wieder andere Imker wollen Bienen möglichst naturgetreu halten und haben große Einraumbeuten, während die meisten Imker mit Magazinbeuten arbeiten. Sie argumentieren, dass die Königin bei Einraumbeuten auch Brut in die Honigwaben legt und diese dann bei der Honigernte automatisch sterben müssen. Alle Betriebsweisen haben Vor- und Nachteile, weshalb man sogar unter den Imkern selbst scherzt: Frage zwei Imker und du erhältst fünf Meinungen.

Der Unterschied zwischen biologisch/ökologisch erzeugtem Honig und konventionellem Honig besteht vor allem darin, dass ein ökologischer Imker keine Kunststoffbeuten oder Styroporbeuten verwenden darf und bei der Behandlung von Bienenkrankheiten oder Milbenbefall nicht auf synthetisch-chemische Medikamente zurückgreifen darf. Die Behandlung von Krankheiten hat sich aber auch bei den konventionellen Imkern stark geändert und unterscheidet sich mittlerweile kaum noch von der eines ökologischen Imkers. Die meisten Imker haben ohnehin ein sehr enges Verhältnis zu ihren Bienen und wollen nur ihr Bestes. Sie betreiben die Imkerei als Hobby und aus Freude an der Natur. Honig und Wachs sind dabei willkommene Nebenprodukte und das Geld aus dem Verkauf ein schönes Zubrot, das die Ausgaben für neue Beuten, Rähmchen oder andere laufende Kosten decken soll. Regional produzierter Honig ist also immer dem importierten Honig überlegen und ein Gewinn für die Natur in deiner Nähe. Du erkennst regional produzierten Honig daran, dass der Name und die Anschrift des Imkers auf dem Etikett abgedruckt sind. Du solltest, wenn möglich, deinen Honig beim Imker kaufen, statt im Supermarkt. Leider sind neben den Honigbienen auch unsere Wildbienen gefährdet. Jeder kann sie in seinem eigenen Garten oder auf dem Balkon unterstützen. Hier kannst du nachlesen, wie das geht.

 

Das ist so gesund am Honig

Honig hat neben vielen Antioxidantien auch eine leicht antibiotische Wirkung, er enthält Ballaststoffe, Vitamine und andere Vitalstoffe. Damit ist Honig deutlich mehr als Zuckersirup. Viele Menschen, darunter auch die meisten Imker, ersetzen auch beim Kochen und Backen so oft es geht den Zucker durch Honig. Wegen der hohen Nährstoffdichte sollte er aber nur in geringen Mengen verzehrt werden.

 

Warum ist Honig gesund

Manuka-Honig: Wundermittel oder Mogelpackung?

Um den Manuka-Honig ranken sich viele Mythen: Er soll Krankheiten heilen, bei Einschlafproblemen helfen und statt Antibiotika gegen Keime eingesetzt wirken. Diesen speziellen Honig gewinnen neuseeländische Bienen aus dem Nektar des Manuka-Strauchs und bereits die Maori schrieben ihm Wunderkräfte zu. Richtig ist, dass Manuka-Honig besonders große Mengen des antibiotisch wirkenden Stoffes Methylglyoxal enthält. Dieser Stoff ist in allen Honigsorten enthalten, jedoch normalerweise in viel geringerer Menge. Als Helferlein bei allerlei innerlichen und äußerlichen Beschwerden lässt sich Manuka-Honig also prima einsetzen. Doch beim Kauf ist Vorsicht geboten, denn im Handel wird viel mehr Honig mit der Bezeichnung „Manuka“ verkauft, als Neuseeland überhaupt produziert.

 

Veganer Honig aus Löwenzahn

Ist Honig vegan? Leider nein, denn die Bienen setzen ihm Verdauungssäfte zu. Ob Honig nun für Veganer geeignet ist, muss jeder Veganer für sich selbst entscheiden, denn auch hier gibt es unterschiedliche Betrachtungsweisen. 

Verantwortungsvolle Bio-Imker kümmern sich bewusst um ihre Bienen, wobei sowohl Honig und Wachs nur Nebenprodukte sind. Bei der konventionellen Imkerei ist das etwas anders. 

Wenn du den Geschmack von Honig nachahmen und gleichzeitig wertvolle Bitterstoffe verzehren möchtest, dann kannst du mit wenig Aufwand Löwenzahnsirup kochen. Und wie wird der vegane Honig gemacht? Rezepte gibt es überall im Internet. Für die Bitterstoffe ist es wichtig, die ganzen Blütenköpfe zu verwenden, statt nur der gelben Blütenblätter. Natürlich solltest du nicht an Straßenrändern oder Hundewiesen sammeln. Löwenzahnsirup kann nicht nur als Brotaufstrich gegessen werden. Ein Teelöffel jeden Tag soll auch hartnäckige Erkältungen im Frühjahr vertreiben.

 

Honig ist nicht gleich Honig

Du hast beim Kauf von Honig wahrscheinlich schon gesehen, dass es sehr viele unterschiedliche Arten von Honig gibt:

  • Waldhonig
  • Blütenhonig
  • Akazienhonig
  • Kornblumenhonig
  • Lavendelhonig
  • Orangenblütenhonig
  • und einige mehr!

Hinzu kommt der Unterschied, ob Honig nun eher cremig oder flüssig ist. Das ist natürlich alles Geschmackssache! Wichtig ist, dass du beim Kauf auf Regionalität achtest, um Transportwege zu sparen und um Deutsche Imker zu unterstützen. Vielleicht gibt es deiner Nähe sogar einen Imker, bei dem du den leckeren Honig sogar direkt kaufen kannst. 


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